Polis
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Als die Polis (Plural: poleis) wird der antike griechische Stadtstaat bzw. auch die Stadt selbst bezeichnet, wie sie uber fast 1.000 Jahre die fur die Griechen charakteristische Siedlungsform sowie Staatsform darstellte. Abgegrenzt ist sie von der zweiten griechischen Siedlungsform, dem Ethnos ('Volkerschaft'), der als locker organisierte Wehrgemeinschaft uber einen grosseren Siedlungsraum erst im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. politische Bedeutung erlangte (Beispiel: Makedonien).
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1 Entstehung und Charakter der Polis
2 Politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadtstaaten
3 Gliederung der Polis
4 Soziale Gruppen
4.1 Die Burger 5 Beispiele antiker Poleis
6 Literatur
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Entstehung und Charakter der Polis
Polis benannte ursprunglich eine befestigte Hohensiedlung (auch: Akropolis: Burgberg), unter deren Schutz sich im 8. Jahrhundert v.Chr. Siedlungen stadtischen, aber auch praurbanen Charakters entwickelten. Hintergrund stellte das im griechischen Raum ab dem 9. Jahrhundert v.Chr. einsetzende Bevolkerungswachstum dar. Mit der griechischen Kolonisation verbreitete sich das Modell uber den gesamten Mittelmeerraum.
Ergebnis des Entwicklung waren kleine, unabhangige, sich selbst regierende Gemeinden mit
- einer stadtischen oder stadtahnlichen Siedlung als Mitte des Burgerverbandes
- den dazugehorigen offentlichen Gebauden, einem Versammlungsplatz und Heiligtumern
- den umliegenden Landgebieten (Beispiel: die zur Polis Athen gehorige Landschaft Attika).
Bedingt auch durch die geographischen Besonderheiten Griechenlands - kleinraumige fruchtbare Ebenen, die vom Gebirge umschlossen und von Flussen umflossen werden -, definierte sich die kulturell-politische Einheit der Polis zudem durch ein Bewusstsein der Zusammengehorigkeit. Dieses konnte so stark werden, dass sich eine Polis als Ganzes aus ihrem ursprunglichen Siedlungsgebiet 'verpflanzen' liess (Beispiel: Phokaia). Die Einheit bestand gleichfalls weiter, wenn eine Polis unter die Hegemonie einer anderen, militarisch uberlegenen fiel. Eine seltene Ausnahme stellt die Eroberung Messeniens durch Sparta dar, der eine Helotisierung folgte.
Insgesamt ist im Mittelmeerraum von schatzungsweise 700 Poleis mit einer Durchschnittsgrosse von 50 bis 100 km² auszugehen. Bewohnt wurden sie von meist 2.000 bis 4.000 Menschen. Argos verfugte im Vergleich dazu uber etwa 1.400 km². 626 Stadtstaaten sind durch Munzen, literarische Quellen und Tributlisten bekannt. Unser heutiges Bild von einer Polis wird im Gegensatz zur herrschenden Wirklichkeit von einer kleinen Anzahl politisch bedeutsamer Stadtstaaten bestimmt, die - wie Athen und Sparta - allerdings selbst ausserst gegensatzlich in Charakter und politischer Organisationsform sein konnten.
Vergleichbare Stadtgemeinden haben im Mittelmeerraum sowohl Phonizier (z.B. Karthago), Etrusker (z.B. Veii) und Latiner (z.B. Rom) begrundet.
Politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadtstaaten
Die politische Entwicklung vieler Poleis scheint nach einem gemeinsamen Muster zu laufen: Ursprunglich wohl monarchisch durch den Basileus regiert, kam es in archaischer Zeit nach inneren Unruhen zur Einzelherrschaft bedeutender adeliger Einzelpersonlichkeiten, die als Tyrannis bezeichnet wurde. Diese hatte nicht unbedingt die negative Bedeutung und Auswirkungen, die wir mit unserem modernen Begriff des Tyrannen umschreiben.
Im griechischen Mutterland, teils auch am Schwarzen Meer, in Unteritalien und Sizilien, wurden die Tyrannenherrschaften spater durch Oligarchien, teils auf der Basis einer Timokratie, oder - selten - durch Demokratien ersetzt. Charakteristisch fur die Poliswelt ist gerade, dass unterschiedliche Herrschaftsformen nebeneinander existierten.
Die Gesellschaft der meisten Poleis war agrarisch gepragt, die Burger und Bewohner waren Bauern mit einem Grundbesitz von 5 bis 10 Hektar. Die Machtstellung der Oberschicht beruhte auf einem entsprechend grosseren Landbesitz von etwa 15 bis 30 Hektar. Die bauerlichen Gesellschaften richteten sich auf die Deckung des Eigenbedarfes aus; es herrschte ein eher geringer Handel von Luxuswaren.
Im Gegensatz dazu standen die wenigen grossen Poleis (z.B. Athen, Argos, Korinth, Syrakus), die uber ein ausgepragtes Gewerbe und einen ausgepragten Fernhandel verfugten. In ihnen sind auch starkere Spannungen zwischen den politisch vollberechtigten Burgern (Demos) und der Oberschicht feststellbar. Der Kampf um Amter und Fuhrungspositionen brachte innere Unruhen in diese Gemeinwesen.
Hauptziel der Politik der Poleis waren die eigene Autarkie, Autonomie und - wegen des meist geringen Machtpotenzials - die Vermeidung von Krieg. Unterlaufen werden konnte dies vom Geltungs- und Selbstdarstellungsdrang einzelner Exponenten der Oberschicht, die dann auch gegen die Interessen der Polis handelten. Gefahr drohte zudem vom dem Expansionsbedurfnis der grossen Stadtstaaten (Athen und der Attisch-Delische Seebund), in deren Visier die kleinen kommen konnten.
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Gliederung der Polis
Die Poleis waren nach einem bestimmten Grundmuster in Demen-> Phylen-> Phratrien eingeteilt. Die Demen bildeten dabei die Gesamtheit der Burger in einem Teil der Polis. Innerhalb dieser Demen gab es unterschiedliche Stamme, die Phylen. Ein jeder Burger war solch einer Phyle zugehorig. Als kleinste Einteilung fand sich die Phratrie (Bruderschaft). An der Spitze der Phratrie stand immer ein bestimmtes Adelsgeschlecht als Schutzherr bzw. Gefolgsherr, von dem die einfachen Leute, die Schutzbefohlenen, abhangig waren (gentilizische Gesellschaftsordnung). Innerhalb dieses Bezugssystems konnte jeder Burger Schutz, Anerkennung und gesellschaftliche Bindung finden.
Soziale Gruppen
Die Bewohner waren Manner, Frauen, Kinder, Metoken (freie Fremde), Abhangige, Perioken (Umwohnende) und Sklaven. Charakteristikum der Polis stellten aber die vollberechtigten mannliche Burger (Politen) als Herrschaftstrager dar. Zudem lag im Sinne eines patriarchalischen Systems in der griechischen Gesellschaft die Vorherrschaft weitgehend beim Mann.
Die Burger
Die Vollburger (Politen) waren oft nur ein kleiner Kreis von vermogenden Mannern, wobei das Vermogen auf Grundbesitz beruhte. Daraus konnte sich eine Oligarchie (Herrschaft weniger Vornehmer) mit timokratischen Zugen ergeben.
Nur in wenigen griechischen Poleis kann ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. von einer Demokratie gesprochen werden, falls alle Vollburger die gleichen politischen Rechte besassen. Eine singulare Stellung nimmt hier Athen ein. Selbst dann blieb jedoch der Grossteil der Bevolkerung der Polis (Frauen, Metoken, Perioken, Sklaven) von einer politischen Mitsprache ausgeschlossen.
Die Frauen
Frauen hatten in der politischen Offentlichkeit keinen Platz. Nur Priesterinnen konnten in gewichtige Positionen gelangen. Sonst standen die Frauen ein Leben lang unter der Vormundschaft ihres Mannes oder, falls dieser nicht anwesend oder gestorben war, unter der ihres Vaters bzw. altesten Bruders. Frauen waren nicht testierfahig und konnten sich auch ihren Ehepartner nicht aussuchen. Eine materielle Abhangigkeit ergab sich daraus, dass Frauen nur sehr selten Eigentum besassen. Schutz gegen den Mann konnte allenfalls die eigene Familie bieten.
Innerhalb des Oikos, der Verwaltung des Hauswesens, und in der Erziehung der Kinder war die Frau jedoch relativ frei und konnte grosse Bedeutung und hohes Ansehen geniessen. Je nach Personlichkeit und Stand konnten sie in der Lage sein, sich einen eigenen Lebensbereich zu schaffen.
Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. begann ein philosophischer Diskurs uber die Stellung der Frau, in dessen Folge Platon beispielsweise die grundsatzliche Gleichwertigkeit des weiblichen Geschlechts. Seine Ideen konnten teilweise zu einer Verbesserung der Rechte der Frau fuhren, ohne dass sich ihre grundsatzliche Stellung aber veranderte.
Die Metoken
Unter ihnen sind Burger, die sich in einer fremden Polis langerfristig niederlassen, zu verstehen. Diese standen unter dem Rechtsschutz der Gaststadt, politische Rechte besassen sie jedoch nicht. Sie mussten eine Kopfsteuer zahlen und konnten nur durch besondere Verdienste zu Vollburger aufsteigen. Metoken sind allerdings keine Fremden die nur kurzzeitig in der Stadt verweilen.
Sklaven
Die unterste soziale Gruppe bildeten die Sklaven. Ein solcher wurde man meist durch Kriegsgefangenschaft. Sie besassen keinerlei Rechte, somit waren sie voll und ganz von den Launen ihres Herrn abhangig. Die Unfreien konnten eine zentrale Stutze der Wirtschaft darstellen und zudem erst die zeitaufwandige politische Teilhabe der Vollburger oder deren Abwesenheit wahrend der Kriegszuge ermoglichen. Beruhmt-beruchtigt sind die attischen Staatssklaven in den Silberbergwerken von Laurion, die unter menschenvernichtenden Bedingungen vegetieren mussten und gleichzeitig durch ihre Arbeitsleistung den Aufstieg Athens zur Flottenmacht ermoglichten. Freilassungen aus dem Sklavenstand fanden ausserst selten statt.
Beispiele antiker Poleis
- Argos
- Athen
- Delphi
- Korinth
- Kyrene
- Massilia
- Sikyon
- Sparta
- Syrakus
- Theben
Literatur
- Bellen, Heinz: Polis, in: Der kleine Pauly. Lexikon der Antike. Bd. 4, Munchen 1979, Spalte 976-977 (dtv). Siehe dort auch die Literaturangaben.
- Welwei, Karl-Wilhelm: Die griechische Polis. Stuttgart 1983.
Kategorie:Griechische Geschichte (Antike)
en:Polis fr:Polis he:פוליס (עיר מדינה) ja:ポリス nl:Polis
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