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 01.03.2005   11:56 Uhr Reisebüros Weltweit weg vom Fenster Internetportale sind dabei, den konventionellen Reisebüros das Geschäft zu verderben. Von Klaus Ritzkowski  
      Es gibt kein großes Internetportal mehr, das nicht eine eigene Rubrik zum Thema Reisen unterhielte. Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Inhalten im Netz, denn das Internet ist mittlerweile einer der beliebtesten Wege, sich über seinen nächsten Urlaub zu informieren. Laut der Studie 'Urlaubsreisetrends 2015' der Kieler Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) erkundigen sich 62 Prozent der deutschen Internetnutzer dort über aktuelle Reiseangebote; das entspricht fast einem Drittel der Bevölkerung. Doch die meisten Internetnutzer informieren sich lediglich, nur wenige buchen eine Reise übers Internet. 'Nur 1,5 Prozent derjenigen, die eine Homepage besuchen, entschließen sich anschließend auch für eine Buchung', sagt Claudia Brözel, Vorstand des im November 2004 gegründeten Verbandes Internet Reisevertrieb (VIR), dem einige der größten deutschen Online-Reiseportale angehören. Die Vorbehalte der potentiellen Kunden gegen das Internet als Buchungsinstrument beruhen nach den Erkenntnissen des VIR vor allem auf zwei Dingen. Zum einen schreckt die Anonymität der Internetseiten und des Computers viele Kunden ab. Sie ziehen die persönliche Beratung im Reisebüro vor. Zum anderen ist die Scheu, persönliche Daten bis hin zur Kreditkartennummer anzugeben, weit verbreitet. Deshalb will der VIR seine Kunden über die genauen Abläufe bei einer Reisebuchung im Internet aufklären. Dazu sollen sich alle Mitglieder des Verbandes vom TÜV Süd mit dem einheitlichen Sicherheitsstandard 's@fer-shopping' zertifizieren lassen. Mit diesem Zertifikat wird geprüft, ob die Verarbeitung der Kundendaten den Sicherheits- und Datenschutzkriterien des TÜVs entspricht. Trotz der zögerlichen Haltung vieler Verbraucher befindet sich die Internet-Reisebranche im Aufwind. Einer aktuellen Studie des amerikanischen Reiseforschungsinstituts PhoCusWright zufolge hat sich der Online-Umsatz von Reiseprodukten in Deutschland im Jahr 2003 mehr als verdoppelt und stieg 2004 noch einmal um 62 Prozent an. Das Wachstum für die nächsten Jahre prognostizieren die amerikanischen Forscher mit einer ähnlich hohen Rate. Die Vorteile der Internetbuchung liegen auf der Hand: Sucht man eine Reise über ein Internetportal, so kann man selbst aus den gesamten verfügbaren Angeboten auswählen und das Preis-Leistungs-Verhältnis vergleichen. Einen derart umfassenden Überblick wird man im Reisebüro kaum erhalten. Allerdings kann das Überangebot an Reisen auch die Entscheidungsfreudigkeit lähmen. Spätestens bei dem häufig komplizierten Buchungsprozess fühlen sich viele Nutzer überfordert und gehen doch den konventionellen Weg über ein Reisebüro. Das erledigt dann die ganze Prozedur und hilft im Zweifelsfall auch bei der Entscheidungsfindung. Durch die dauerhafte Speicherung von Kundendaten, wie sie etwa bei opodo.de möglich ist, wird der Buchungsprozess vereinfacht und beschleunigt. Der Kunde muss sich nach einer ersten Anmeldung nur noch mit Name und Kennwort einloggen und kann dann sofort buchen. Die Anbieter hoffen, dadurch ihre Kunden dauerhaft an sich zu binden. Denn es konkurrieren etwa 70 bis 80 Reiseportale, die sich zum Teil in ihrer Aufmachung und ihrem Angebot kaum voneinander unterscheiden. Nur etwa zehn Anbieter haben mit hohem Werbeaufwand einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht. Allerdings stammen die meisten Angebote von ein und demselben zentralen Computer und unterscheiden sich deshalb weder in der Zusammenstellung noch im Preis voneinander. Wer ausführliche Informationen zu den Reiseangeboten wünscht, wird von den Reiseportalen enttäuscht. Deren Auskünfte gehen selten über die knappen, standardisierten Informationen in Katalogen hinaus. Das Online-Reisebüro weg.de, das demnächst auf den Markt kommt, möchte diese Lücke schließen, indem es ausführliche Reiseberichte liefert. Außerdem wird die Seite ermöglichen, Reiseangebote nur nach dem Preis zu suchen. 'Bei weg.de wird das Buchen von Reisen so einfach sein, wie bei Google zu surfen', sagt Aleksander Vucak, der Geschäftsführer des Online-Reisebüros. Wie die Zukunft deutscher Reiseportale aussehen könnte, lässt sich heute an amerikanischen Portalen wie etwa orbitz.com ablesen. An Übersichtlichkeit, Bedienerfreundlichkeit und Informationsfülle sind diese Seiten den deutschen Reiseportalen weit voraus. Zudem zeichnen sich auf dem deutschen Markt zunehmende Überschneidungen zwischen dem Online-Tourismusmarkt und dem konventionellen Vertrieb von Reisen ab. Große Tourismus-Konzerne wie Thomas Cook oder die Tui engagieren sich zunehmend auch im Online-Bereich. Und ehemals reine Internetanbieter planen, ihre Reisen nun auch über Reisebüros zu verkaufen oder treten sogar als Veranstalter eigener Reiseprodukte auf, wie das neue Reiseportal touropa.com. Der Internetanbieter lastminute.com wird von März an frei zusammenstellbare Reisen auch über Reisebüros vertreiben. Sich Flug, Unterkunft und andere touristische Dienstleistungen individuell zusammenstellen zu lassen (das so genannte 'Dynamic Packaging'), wird gegenüber der Pauschalreise immer beliebter. Für die Reisebüros könnten die neuen Internet-Portale harte Konkurrenten werden, die ihnen zunehmend die Umsätze wegnehmen. sueddeutsche.de/SZ vom 1.3.2005 Artikel drucken Artikel empfehlen Kontakt zur Redaktion
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