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Kernkraft

From Sterwiki

Kernkraft oder Atomkraft bezeichnet die technische Energie'gewinnung' mittels Kernreaktionen. Darunter versteht man in der Regel die im Kernkraftwerk betriebene Spaltung des Atomkerns zur Stromgewinnung. Es werden aber auch intensive Forschungen auf dem Gebiet der Verschmelzung der Kerne mittels Kernfusion zur Entwicklung von Kernfusionsreaktoren durchgefuhrt.


Table of contents
1 Einleitung
2 Anwendungsmoglichkeiten
3 Ruckstellungen und Versicherungen

3.1 Haftungsfall in Deutschland

4 Sicherheit im Betrieb
5 Argumente gegen Kernkraft
6 Argumente fur Kernkraft
7 Siehe auch
8 Weblinks

Einleitung

Im Fall der Kernspaltung wird Energie aus der Spaltung grosser Atomkerne freigesetzt. Der entgegengesetzte Fall, namlich die Verschmelzung von Atomkernen, die sogenannte Kernfusion, kann ebenfalls unter bestimmten Vorraussetzungen Energie freisetzen. Der Begriff Kernenergie wird fur beide Formen der Energiefreisetzung benutzt. Beim Spalten grosser Atomkerne oder Verschmelzen kleiner Atomkerne wird Masse in Energie umgewandelt. Auch wenn der Massenverlust dabei relativ gering ist, wird dennoch, entsprechend der Einsteinschen Formel E = mc^2 vergleichsweise viel Energie freigesetzt.

Heute versteht man unter Kernkraft die zivile Anwendung von Kernreaktionen zur Stromerzeugung, wahrend der Begriff Kernenergie sowohl die zivile Anwendung als auch Kernwaffen beinhaltet.

Kraftwerke zur Energierzeugung durch Kernspaltung wurden zuerst von den Betreibern als Atomkraftwerke bezeichnet. Der Begriff Kernkraft (oder Kernenergie) selber wurde in den 60er Jahren von Kernkraftwerksbetreibern eingefuhrt, die argumentierten, dass die Spaltung des Kerns den wesentlichen energieliefernden Prozess darstellt. Da der Begriff Atomkraftwerk aber Assoziationen mit Atombombe birgt und in der Offentlichkeit auf die Gefahren der Atomkraft erst Ende der 60er hingewiesen wurde. Wird vermutet, dass die Kernkraftwerksbetreiber den Begriff Kernenergie als eine werbewirksame Bezeichnung benutzten, und auch heute verwenden. Der Begriff Atomkraft wird von den Betreibern gemieden.

In der Wissenschaft wird meistens der Begriff Kernenergie verwandt, das deutsche Bundesministerium fur Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit verwendet auf den Seiten seines Internetportals meist den Begriff Atomkraft (Stand 2005).

Fur abgenutzte (umgangssprachlich auch 'abgebrannte'), hoch radioaktive Brennelemente gibt es in (West-) Europa spezielle Transport- und Lagerbehalter, beispielsweise die Castor-Behalter oder die TN-Behalter fur die Transporte in die Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield (Grossbritannien) und La Hague (Frankreich). Die Verwendung des Begriffes ||Brennen||, im Zsammenhang mit der Kernenergie ('Brennstab', 'Brennelement' usw.), ist irrefuhrend. Keines der hierbei verwendeten Materialien unterliegt einem Verbrennungsprozess (Oxidation) im eigentlichen Sinne oder unterstutzt einen solchen.

Derzeit gibt es in Deutschland kein genehmigtes Endlager fur radioaktive Abfalle. Zudem sind ab Mitte 2005 alle Transporte von abgebrannten Brennelementen zur Wiederaufarbeitung verboten. Aus diesen Grunden werden fur die deutschen Kernkraftwerke derzeit so genannte Standortzwischenlager gebaut, in die ab Mitte 2005 die abgebrannten Brennelemente eingelagert werden. Die schwach und mittel radioaktiven Abfalle werden derzeit in verschiedenen anderen Zwischenlagern in ganz Deutschland gelagert.

Als Endlager werden insbesondere Salzstocke (beispielsweise Gorleben) erwogen, wo hunderte Meter Salz und Deckgestein fur einen sicheren Einschluss sorgen konnten. Die tatsachliche Stabilitat solcher geologischen Formationen fur den notwendigen jahrhundertelangen Einschluss ist allerdings unter Geologen umstritten. Von Befurwortern wird eingewandt, das Beispiel eines naturlichen Kernreaktors in Oklo (Gabun, Westafrika) zeige, dass die Migration der Spaltstoffe uber Jahrmillionen zu vernachlassigen sei und keine Bedrohung fur die Menschheit darstelle.

Derzeit wird ein neuer Reaktortyp, das Rubbiatron, entwickelt, mit dem langlebige radioaktive Stoffe in kurzlebige Isotope (Halbwertszeiten: maximal einige Jahre) umgewandelt werden sollen.

Anwendungsmoglichkeiten

Die wichtigste Anwendung der Kernkraft ist die Stromerzeugung in Kernkraftwerken. Daneben wird sie auch noch in Forschungsreaktoren zur Erzeugung kunstlicher radioaktiver Isotope genutzt. Eine weitere Anwendung ist der Kernenergieantrieb von Schiffen, Fahrzeugen und Fluggeraten. Die Entwicklung der letzten beiden Anwendungen sind uber Konzepte und Prototypen nicht herausgekommen.

Auch fur Atombomben wurden zahlreiche nichtmilitarische Anwendungen im Rahmen des 'Projekts Plowshare' untersucht, dann aber wegen der radioaktiven Verseuchung wieder verworfen. In der ehemaligen Sowjetunion war man in dieser Hinsicht weit leichtsinniger: man legte dort mit Hilfe von Atombomben Stauseen an und nutzte unterirdische Atombombenexplosionen, um brennende Olquellen zu loschen und um die Forderleistung von Erdgasfeldern zu steigern.

Eine weitere denkbare nichtmilitarische Anwendung von Atombomben ist die Abwehr grosser Meteoriten, die auf die Erde zu sturzen drohen und die Bahnmanipulation kleinerer Asteroiden.


Ruckstellungen und Versicherungen

Da der Ruckbau eines Kernkraftwerks sehr teuer ist (~500 Millionen Euro je Kraftwerk), konnen die Betreiber fur den Ruckbau steuerfreie Ruckstellungen anlegen. Dieses Geld wird in der Schweiz von einem unabhangigen Fonds verwaltet, in Deutschland kann der Stromerzeuger die Ruckstellungen eigenstandig verwalten. Das fuhrt dazu, dass z.B. Investitionen auf dem Kapitalmarkt in Aktien oder ahnliches getatigt werden konnen, etwaige Kursschwankungen sind auszugleichen. Dies wird durch unabhangige Wirtschaftsprufer uberpruft und testiert.

Haftungsfall in Deutschland

Fur das Risiko eines Unfalls mussen die Betreiber eine Deckungsvorsorge von 2,5 Milliarden Euro vorhalten. Auch diese kann in Form von Aktien vorgelegt werden; wobei die Deckungsvorsorge stets den genannten Betrag haben muss. Die Unternehmen mussen eine Haftpflichtversicherung uber 256 Mio. Euro abschliessen. Weitere 2,244 Mrd. Euro werden uber eine Solidarvereinbarung der Muttergesellschaften der Betreiber von KKW aufgebracht. Fur daruber hinausgehende Schaden haften die Muttergesellschaften mit ihrem gesamten Vermogen.

Fur Schaden, die auf nuklearen Ereignissen beruhen, die unmittelbar auf Handlungen eines bewaffneten Konfliktes, von Feindseligkeiten, eines Burgerkrieges, eines Aufstandes oder auf eine schwere Naturkatastrophe aussergewohnlicher Art zuruckzufuhren sind, haften die Betreiber mit hochstens 2,5 Milliarden Euro.

Sicherheit im Betrieb

Beim Betrieb von Atomkraftwerken ist es zu mehreren Unfallen gekommen bei denen Radioaktivtat austrat. Zu den bekanntesten gehoren die Unfalle in Atomkraftwerken von Three Mile Island und Tschernobyl (siehe auch Liste der nuklearen Unfalle).

Der Super-GAU von Tschernobyl war vor allem Folge der Konstruktionsweise des Reaktors (Typ RBMK) und der bewussten Abschaltung von Sicherheitssystemen zu Testzwecken im laufenden Betrieb.

Auch bei den heute in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken kann keine absolute Sicherheit garantiert werden. Es werden Wahrscheinlichkeitsberechnungen zur Sicherheit durchgefuhrt und statistische Erwartungen zu Unfallen angegeben.

Neben Material-, Montage-, Konstruktions-, und Bedienfehlern ist es auch nicht ausgeschlossen das Absturze besonders grosser Flugzeuge, Erdbeben und Terroraktionen zu Unfallen mit Austreten von Radioaktivitat fuhren konnen.

Viele Atomkraftwerke stehen in erdbebengefahrdeten Gebieten, z. B. franzosische Kernkraftwerke wurden an der Grenze zu Deutschland aufgestellt, in einem Gebiet, in dem Erdbeben fur europaische Verhaltnisse relativ haufig auftreten.

Argumente gegen Kernkraft

Die Kernkraft ist eine ausserst ergiebige, aber auch umstrittene Methode der Energiegewinnung. Es gibt viele Atomkraftgegner, insbesondere da es noch keine unumstrittene Losung zur Entsorgung der ausgebrannten Brennstabe gibt und zumindest Zweifel an der Sicherheit von Kernkraftwerken bestehen. Manche Atomkraftgegner behaupten, die Energiebilanz heutiger Kernkraftwerke falle nur durftig aus.

Daneben wird generell die Nukleartechnik und der Umgang mit spaltbarem Material als bedenklich angesehen, unter anderem weil man weder technisches, noch menschliches Versagen hundertprozentig ausschliessen konne. Die Folgen und Kosten eines GAU in einem dicht besiedelten Raum wie Deutschland konnte die Ruckstellungen der Betreiber weit ubersteigen. Ausserdem glauben Gegner, dass Kernkraftwerke unter Umstanden zur Gewinnung von Ausgangsmaterial fur Atomwaffen genutzt werden konnten und somit der Weiterverbreitung dieser Waffentechnologie Vorschub leisten wurden. Dies ist allerdings bei 'normalen' Leichtwasser-Reaktoren nur im Zusammenhang mit Wiederaufarbeitungsanlagen moglich. Es konne auch nicht ausgeschlossen werden, dass durch kriminelle Machenschaften radioaktive Stoffe in die Hande von Terroristen gelangen konnte. Ein weiterer Einwand von Gegnern ist, dass die finanziellen Einnahmen einer geringen Zahl von Eignern zufliesse, das Risiko aber von der breiten Masse und ihren Nachkommen getragen werde.

Die Sicherheit der Lagerung radioaktiver Stoffe wird insbesondere durch die Gefahr von Terroranschlagen als problematisch angesehen, da es im schlimmsten Fall zu einer radioaktiven Verseuchung weiter Landstriche kommen konnte.

Des weiteren wird angefuhrt, dass Kernkraftwerke aufgrund ihrer potentiellen Gefahrlichkeit besonderer Kontrolle bedurfen ('Storfall-Kommission und Technischer Ausschuss fur Anlagensicherheit' in Deutschland), die Betreiber aus Angst vor Imageschaden aber versuchten, Storfalle nicht publik werden zu lassen, wodurch eine effektive Kontrolle nur schwer moglich sei.

Argumente fur Kernkraft

Die aktuellen fossilen Alternativen (Verbrennung von Steinkohle oder Braunkohle) seien okologisch problematischer (Luftbelastung mit Treibhausgasen und Zerstorung der Natur in den Abbaugebieten gegenuber einem Risiko einer Katastrophe). Die regenerativen Energien wie Wind- und Sonnenenergie stunden nur unregelmassig zur Verfugung und konnten die Grundlastversorgung von Industriestaaten deshalb nicht gewahrleisten. Andere Energiegewinnungsarten (Geothermie) wurden eine sehr hohe Anschubfinanzierung benotigen, und die Gesamtleistung dieser Anlagen sei zur Zeit noch relativ gering.

Siehe auch

  • GAU
  • Kernenergieantrieb
  • Kernreaktor
  • Kernwaffe
  • Liste der Kernkraftanlagen
  • Liste der Kernkraftwerke in Deutschland
  • Liste der nuklearen Unfalle
  • Liste von Reaktortypen
  • Schneller Bruter
  • Strahlenschutz

Weblinks

  • Fakten uber Kernenergie (http://www.facts-on-nuclear-energy.info/) in verschiedenen Sprachen
  • Anti-Atom-Lexikon (http://www.anti-atom.de)
  • Basiswissen Kernenergie (http://www.kernenergie-wissen.de)
  • Kernchemie (http://www.kernchemie.de)
  • Kritische Betrachtung der Energiebilanz heutiger Kernkraftwerke (http://www.elstatconsultant.nl/) (englisch)
  • Zukunft der Kernenergie (http://www.nuklearezukunft.de)
  • Kernenergie-Lexikon (http://www.kernenergie-lexikon.de) Humoristisches zur Kernenergie
  • Gutes Lexikon zum Thema Kernenergie (http://www.kernenergie.net/informationskreis/de/lexikon/lexikon.php?navid=60&dir=/informationskreis/de/lexikon/a/&buchstabe=a) Link zu Kernenergie.de
  • Deutschland, Deine Atomkraftwerke (http://www.greenpeace.org/deutschland/fakten/atom/atomkraftwerke/deutschland--deine-atomkraftwerke) Grunddaten und Skandale deutscher Atomkraftwerke, von Greenpeace
  • Atomkraftwerke weltweit (http://www.umweltinstitut.org/frames/all/m410.htm) - Leistungen, Anteile, usw.
  • Atomgesetz der BRD (http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/atg/)

Template:Rechtshinweis

Kategorie:Kernenergie

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