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Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit

From Sterwiki

Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG) ist die Rechtsform einer Versicherungsgesellschaft. In Gegensatz zu einem als Aktiengesellschaft gefuhrten Versicherungsunternehmen hat der VVaG keine Aktionare. Vielmehr sind die Versicherungsnehmer in der Regel Mitglieder und damit Trager des VVaG.

Table of contents
1 Einfuhrung
2 Historie
3 Wirtschaftliche Bedeutung
4 Solvabilitat und Kapitalaustausch
5 Links

Einfuhrung

Der VVaG ist eine besondere Rechtsform fur Versicherungsunternehmen. Im Gegensatz zu anderen Rechtsformen wie die Aktiengesellschaft, die im Aktiengesetz geregelt ist und die Gesellschaft mit beschrankter Haftung (GmbH), die im GmbH-Gesetz geregelt ist, gibt es fur die Rechtsform des VVaG kein eigenes Gesetz. Die rechtlichen Rahmenbedingungen fur den VVaG ist im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), §§ 15 - 53b geregelt.

Da ein VVaG keine Anteilseigner hat, an die Dividenden ausgeschuttet werden mussen, konnen erwirtschaftete Uberschusse im Unternehmen verbleiben oder den Vereinsmitgliedern (Kunden / deren Vertrage) zugute kommen. Im Idealfall kann der VVaG daher den einzelnen Tarifen hohere Uberschusse zuweisen und somit hohrer Rendite bzw. gunstigere Versicherungspramien anbieten, als Versicherer in anderen Rechtsformen.

Historie

VVaG sind die Urform der heutigen Versicherungsunternehmen. Die Idee des VVaG als Rechtsform fur eine uberregionale Versicherung geht auf den Kaufmann Ernst-Wilhelm Arnoldi zuruck. Als Arnoldi im Jahre 1820 in Gotha die 'Feuerversicherungsbank des Deutschen Handelsstandes' ins Leben rief, verwirklichte er damit die Idee der gegenseitigen Hilfe: Alle tragen gemeinsam die Last des Einzelnen. Das Besondere: Die Versicherten sind gleichzeitig Eigentumer des Unternehmens. Ahnlich wie bei genossenschaftlichen Banken existieren keine ausschliesslich Kapital gebenden Eigentumer, weshalb eine kontinuierliche und von Kapitalgebern unabhangige Geschaftspolitik im Interesse der Mitglieder garantiert ist. Notwendige unternehmerische Entscheidungen konnen schnell getroffen und umgesetzt werden.

Der VVaG ist getragen von den Bedurfnissen seiner Mitglieder. Das sichert ihm Marktnahe und Innovationskraft. Ahnlich dem Entscheidungsgremium der Hauptversammlung fur die Aktionare einer Aktiengesellschaft hat der Versicherungsverein fur seine Mitglieder als oberstes Organ die Mitgliedervertreterversammlung, teilweise auch Hauptversammlung genannt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die VVaG stellen durch ihre Marktprasenz einen wesentlichen ordnungspolitischen Faktor im Wettbewerb dar. Bezogen auf den Versicherungsmarkt Deutschland wurden 1999 rd. 127 Mrd. Euro Pramie von den Versicherungsunternehmen eingenommen. Die Pramien verteilen sich auf die Lebensversicherung mit 59 Mrd. Euro, auf die Krankenversicherung mit 20 Mrd. Euro und auf die Sachversicherung mit 48 Mrd. Euro. Dieses Pramienvolumen verteilt sich auf die Versicherungsunternehmen nach Rechtsform so, dass 58 % von den Aktiengesellschaften erzielt werden, 11 % von den offentlich-rechtlichen Versicherungsunternehmen und 29 % von den VVaG einschliesslich ihrer Tochter. Der Marktanteil der VVaG verteilt sich auf ca. 300 VVaG, 220 'kleinere' VVaG und 80 'grosse' Vereine.

In der Sparte Schaden/Unfall betragt der Marktanteil 28 %, in der Sparte Leben 23 % und in der Krankenversicherung sind die VVaG mit 52 % Marktanteil den Aktiengesellschaften sogar eindeutig voraus. In der Sparte Schaden/Unfall verbuchten die VVaG einen uber dem Durchschnitt liegenden Beitragszuwachs von 0,6 %, in den Bereichen Leben gar 9,4 % und in der Sparte Kranken 3,0 %. Die durchschnittliche Verzinsung der Kapitalanlage in 1999 von uber 179 Mrd. Euro betrug 7,4 %. Die VVaG in Deutschland haben 1999 mehr als 72.000 Arbeitnehmer beschaftigt.

Die Marktbedeutung der VVaG aussert sich auch in ihrem wirtschaftlichen Erfolg. Wirtschaftlicher Erfolg lasst sich in Kennzahlen messen. VVaG haben im Vergleich zu Aktiengesellschaften hohere Zuwachsraten bei den Versicherungsvertragen, sind in Sparten mit niedrigerem Risiko tatig, weisen geringere Kostensatze aus und erwirtschaften mehr Gewinn. Die Bilanzen der VVaG, gemessen an der Bilanzsumme, haben hohere Zuwachsraten, weisen mehr sichtbares Eigenkapital aus, beinhalten mehr stille Reserven und bedecken im Ubrigen mehr Solvabilitat. VVaG verwenden ihren Bruttouberschuss vor Steuern mit 28 % fur das Eigenkapital, wahrend Aktiengesellschaften hierfur nur 10 % verwenden. Der wirtschaftliche Erfolg der VVaG bedeutet eine der wesentlichen Starken seiner Rechtsform und begrundet seine ausserordentliche Bedeutung fur den Versicherungsmarkt.

Im internationalen Wettbewerb erweist sich die Rechtsform des VVaG jedoch immer mehr als Hemmschuh, weshalb entsprechend ambitionierte VVaG Umwandlungen oder Holdingstrukturen anstreben.


Solvabilitat und Kapitalaustausch

1999 verbuchten deutsche VVaG uber 37 Mrd. Euro Pramieneinnahmen, 4,5 % mehr als im Vorjahr, und halten damit einen Marktanteil von 29 %.

VVaG haben nachweislich hohere Zuwachsraten, geringere Kosten und hoheren Gewinn als Aktiengesellschaften. Ihre Bilanzen zeigen mehr sichtbares Eigenkapital, beinhalten mehr stille Reserven und bilden eine bessere Solvabilitat ab. Dies gilt nach einer Studie des Versicherungsexperten Professor Farny (Koln) aus dem Jahre 1997 zumindest fur die Sparte Schaden/Unfall, wohingegen in den Sparten Leben und Kranken keine signifikanten Kennzahlenunterschiede festzustellen sind.

Die am haufigsten vorgebrachten Argumente der Gegner des VVaG - die fehlende Moglichkeit, Eigenkapital uber den Kapitalmarkt aufzunehmen und angebliche Schwierigkeiten der Darstellung von Solvabilitat - treffen nicht zu. VVaG weisen in der Sparte Schaden/Unfall im Durchschnitt erheblich uber dem Soll liegende Solvabilitat auf, so dass eine Vielzahl von VVaG einen Deckungsgrad der Ist-Solvabilitat zwischen 250 und 450 % aufweisen. In der Lebensversicherung liegt der Schnitt zwischen 150 und 200 % und in der Sparte Kranken zwischen 200 und 300 %.

Tatsache ist auch, dass die VVaG in grosserem Umfang als Aktiengesellschaften entstandene Gewinne dem Eigenkapital zufuhren konnen, da sie keine Aktionarsbedurfnisse zu befriedigen haben. Ausserdem konnen Tarife und Leistungen fur ihre Mitglieder auf diese Weise stabiler gehalten werden. Zusatzlich bieten sich als Alternative zur Kapitalbeschaffung borsennotierte Genussrechte an. Eine weitere Moglichkeit, den Kapitalmarkt zu nutzen, besteht durch die Schaffung von Tochterunternehmen in Form von Aktiengesellschaften und die Bundelung von Aktivitaten in Zwischenholdings. Dies bietet bei ausreichendem Volumen sogar die Moglichkeit eines Borsengangs.

Links

  • Homepage Versicherungsunternehmensrecht (http://www.versicherungsunternehmensrecht.de)
  • Arbeitsgemeinschaft der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit e.V. (http://www.arge-vvag.de/index1.htm)

Kategorie:Versicherungswesen Kategorie:Unternehmensform


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